Anjas Backbuch

Süßes für die Seele

Frühling, Kekse, Winter

Fluch- und Schimpf-Kekse mit Royal Icing

Wann es ok ist, fiese Schimpfwörter zu benutzen? Wenn man sie mit Royal Icing auf zauberhaft süßen Keksen anbringt – da kann einem doch keiner böse sein, egal wie übel das Schimpfwort.

[Der folgende Beitrag enthält Verlinkungen. Diese basieren auf dem persönlichen Interesse der Autorin und sind weder bezahlt noch beauftragt.]

Ich liebe es ja, in Bayern aufgewachsen zu sein und hier zu wohnen – die Landschaft, Dirndl und Lederhosen, Volksfeste, Weißwürste, Schweinebraten und vor allem: der Dialekt. Ich habe einen wahnsinnigen Dialekt, den ich auch wenn ich mich bemühe, niemals vollständig unterdrücken kann. Und was für die Bayern noch ganz typisch ist? Na klar, das Granteln. Wie heißt es so schön: „Granteln is a lifestyle“. Ein Brummen, Knurren, Murren und ständiges Nörgeln. Über die Jahrzehnte hat sich dadurch ein großer Wortschatz bayerischer Schimpfwörter und Flüche entwickelt. Dabei meinen es die Bayern gar nicht so – also meistens.

Ich wollte schon ewig mal Kekse mit Royal Icing machen – die sehen einfach immer so hübsch aus. Da mir aber tatsächlich das Feingefühl fehlt um mit handgemalten, filigranen Mustern kleine Kunstwerke herzustellen und ich kein Geld in eine Profi-Ausrüstung investieren wollte, um beispielsweise mit einem Airbrush tolle Effekte auf die Kekse zu zaubern, habe ich überlegt: Wie könnten die Kekse trotzdem zu etwas ganz Besonderem werden? Die Antwort? Mit einem „süßen“ Schriftzug!

Egal ob bayerische Flüche, Komplimente, Kosenamen, Vornamen, Spitznamen oder etwas anderes – mit diesem Grundrezept könnt ihr euch austoben, wie ihr möchtet. Ich habe dafür einen Food-Brush verwendet, also einen pinsel-artigen Lebensmittel-Stift, mit dem ganz einfach auf den Keksen schreiben kann. Den kriegt ihr ganz einfach online – ich habe meinen bei der zauberhaften Elena von ‚Back mich glücklich‘ bestellt. Mit dem geht es wirklich super einfach.

Royal Icing – was ist das?

Dabei handelt es sich um eine Art Zuckerguss. Bei diesem rührt ihr aber nicht Puderzucker mit Zitronensaft zusammen, sondern gebt steif-geschlagenes Eiweiß dazu. Dadurch kann der Guss sehr leicht verarbeitet werden (zum Beispiel beim Einfärben mit Lebensmittelfarbe) und härtet später gut aus. Angeblich ist das Eiweiß nach dem Aushärten des Gusses übrigens lebensmitteltechnisch unbedenklich – dazu weiß ich aber leider nichts genaueres. Ihr könnt die Kekse jedoch in der Regel einige Tage bedenkenlos in einer Box aufbewahren.

Normalerweise geht man beim Verzieren von Keksen mit Royal Icing wie folgt vor:

  1. Outlining: Dabei ist die Konsistenz noch relativ fest. Der Guss wird in einen Spritzbeutel mit sehr kleiner Tülle gefüllt und damit wird dann der Keks umrandet.
  2. Flooding: Hierzu wird der Outlining-Guss mit etwas Wasser und / oder Zitronensaft verdünnt. Anschließend wird er auf den Keks gegeben – man „flutet“ den Keks sozusagen mit dem Guss, wobei er aufgrund der vorher gezogenen Außenlinien nicht auslaufen kann.

Bei der Marmorier-Technik, den ich bei meinen Keksen angewendet habe, könnt ihr auf das Outlinig aber getrost verzichten. Die Konsistenz sollte dabei ein Mittelding aus Outlining- und Flodding-Icing sein – ich habe es euch unten im Rezept nochmal genauer beschrieben.

Übrigens: Trotz des wirklich hohen Anteils von Puderzucker im Guss fand ich die Kekse überraschenderweise nicht übermäßig süß. Das fast schon knusprige Royal Icing passt deshalb perfekt zu den buttrigen Keksen.

Ein paar „hochdeutsche“ Gemeinheiten habe ich dann auch noch verewigt, damit sich auch wirklich jeder von den Keksen angesprochen fühlt – Bayer oder nicht:

Zutaten

Für die Kekse…

  • 200 g Zucker
  • 1 Ei
  • 200 g Butter, Zimmertemperatur
  • etwas Vanille (Aroma, Paste oder Zucker)
  • 1 Pirse Salz
  • 400 g Mehl

Für das Royal Icing…

  • 1 Eiweiß
  • 1 Prise Salz
  • 250 g Puderzucker
  • 1 EL Zitronensaft
  • 5-10 EL Wasser
  • Lebensmittelfarbe (unbedingt in Pasten-Form, nicht flüssig)
Zubereitung

Den Zucker mit dem Ei aufschlagen, bis eine cremige Masse entstanden ist. Anschließend die zimmerwarme Butter und Vanille unterrühren. Zum Schluss Mehl und Salz dazugeben und alles zusammen zu einer festen Kugel verkneten. Diese für rund eine Stunde in den Kühlschrank geben.

Den Ofen auf 170°C Umluft vorheizen und ein Backblech mit Backpapier belegen. Die Arbeitsfläche mit etwas Mehl bestäuben, etwas Teig darauf flach drücken, nochmals etwas Mehl darauf geben und mit einem Nudelholz ausrollen. Danach mit entsprechenden Förmchen Kekse ausstechen, auf das Backpapier legen und für rund 10-11 Minuten gold-braun backen. Die Backzeit ist dabei stark von eurem Ofen abhängig – werft einfach ein Auge auf die Kekse, während sie im Ofen sind. Nun das Blech herausnehmen, kurz abkühlen lassen, die Kekse vom Blech nehmen und auf einer geraden Arbeitsfläche vollständig auskühlen lassen.

Bei mir hat die Menge Teig vier Bleche und ca. 40 Kekse ergeben – das hängt aber davon ab, wie dick beziehungsweise dünn ihr den Teig ausrollt und wie groß die Ausstechformen sind, die ihr verwendet.

…das Verzieren:

Achtet darauf, dass kein Eigelb beim Eiweiß enthalten ist und eure Utensilien wirklich fett-frei sind. Im Zweifel Rührschüssel und Schneebesen kurz mit etwas Küchenkrepp und Essig abwischen. Das Eiweiß kurz mit dem Salz aufschlagen und, wenn es Bläschen bildet, den Puderzucker dazugeben. Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann den Puderzucker vorab noch sieben, damit der Guss keine Klümpchen bildet. Das Ganze nun für fünf bis zehn Minuten aufschlagen.

Wenn die Masse fest geworden ist, einen Esslöffel Zitronensaft dazu geben und nochmal kurz verrühren. Für das Outlining sollte der Guss eine Zahnpasta-artige Konsistenz haben. Der Guss sollte also möglichst fest sein, aber cremig genug, damit er beim Spritzen mit einem Spritzbeutel nicht „abreißt“. Ist der Guss noch zu fest, einfach Wasser hinzugeben – am besten Teelöffel für Teelöffel, da ein paar Tropfen Flüssigkeit die Konsistenz schon gehörig verändern können.

Für die flüssigere Variante, die ihr zum Marmorieren benötigt, einfach mehr Wasser hinzugeben – wie gesagt: immer in kleinen Mengen zum Guss geben, verrühren und Konsistenz checken. Dann bei Bedarf nochmal etwas Wasser, verrühren, Konsistenz checken. Die perfekte Konsistenz habt ihr, wenn ihr einen Löffel in den Guss taucht, ihn herauszieht und den Guss vom Löffel zurück in die Schüssel tropfen / laufen lasst: Die „Schlieren“ sollten nach wenigen Sekunden in der restlichen Masse verlaufen, sodass wieder eine glatte Oberfläche entstanden ist.

Das Royal Icing aufteilen, ca. 2/3 weiß lassen und 1/3 mit Lebensmittelfarbe einfärben. Verwendet dabei auf keinen Fall flüssige Farben, da diese die Konsistenz des Gusses nochmal verändern.

Das weiße Royal Icing auf einen kleinen, flachen Teller geben. Das farbige Icing in einen Spritzbeutel geben (Spitze einfach abschneiden oder kleine Tülle verwenden) und grob als Muster auf das weiße Icing geben. Keks eintauchen, ein bisschen hin- und herwackeln, herausnehmen, überflüssigen Guss durch Schütteln abtropfen lassen und etwaige Luftbläschen mit einem Zahnstocher entfernen. Durch Klopfen des Kekses verteilt sich das Royal Icing mit seiner flüssigen Konsistenz nun gleichmäßig und glatt.

…noch drei Tipps
  1. Der Marmor-Effekt wird am besten, wenn ihr immer nach drei bis vier Keksen einen „neues Muster“ macht: Also nur einen kleinen Teil des weißen Icings auf den Teller geben und mit dem farbigen Icing verzieren. Nach ein paar Keksen haben sich weißes und farbiges Icing sonst vollständig miteinander vermischt und die Marmorierung geht verloren. Daher immer wieder – alle drei bis vier Kekse – einen weiteren Teil des weißen Icings auf den Teller geben und mit dem farbigen Icing verzieren. Manchmal kann es auch helfen, den kleinen Teller zwischendurch kurz komplett abzuspülen.
  2. Lasst die Kekse vor dem Beschriften für 12 Stunden einfach an der Luft aushärten.
  3. Die Kekse könnt ihr super in einer Dose für mehrere Tage aufbewahren (aber mal ehrlich: Die sind viel zu süß, um sie so lange nicht zu essen).

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